Herbst im Ayurveda
Gerade werden die Tage wieder kürzer, kühler, und windiger.
Viele Frauen fühlen sich jetzt unruhiger, frieren schneller und kommen abends schwerer zur Ruhe. Manchmal sind wir einfach nur müde und zerstreut, obwohl der Herbst doch eigentlich zum Ankommen einlädt
Der Herbst im Ayurveda – die Jahreszeit des Windes ...
Der Herbst ist die Jahreszeit des Vāta-Doshas. Die Elemente Luft und Raum prägen jetzt Klima, Körper und Gemüt. Kälte, Trockenheit und Wind verstärken Vāta.
Alles ist in Bewegung: Blätter fallen, das Wetter wechselt, die Gedanken springen. Gleichzeitig brauchen wir Wärme und Ruhe.
Zwischen den Jahreszeiten, besonders im Herbst, ist das Wetter sehr unbeständig. Deshalb folgen wir dem aktuellen Wetter, und die Jahreszeit gibt uns dabei Orientierung.
Auch der Tag hat seine Vāta-Zeiten, am frühen Morgen und von 14 Uhr bis zur Abenddämmerung. Besonders am Nachmittag sind Nerven und Immunsystem sehr feinfühlig. Eine kleine Pause, mit etwas Wärme schützt unsere Kraft (Ojas) und bewahrt uns vor Heißhunger und Energielöchern.
Diesen Herbst kennen wir Frauen auch von innen: Monatlich in der Lutelaphase, den Wechseljahren und ab ca. dem 40 Lebensjahr seigt Vata sätig an.
Ein ausgeglichenes Vāta schenkt uns Kreativität, Leichtigkeit und Lebendigkeit. Wird es etwas zu viel, bittet unser ganzes System um Wärme, Rhythmus, Ruhe und Ausgleich.
Kleine Herbst Anpassungen mit großer Wirkung
Ernährung ...
Warm, saftig und nährend essen: Suppen, Eintöpfe, Currys und Ofengemüse mit gutem Öl oder Ghee tun jetzt besonders gut. Rohkost und viel Brot dürfen im Herbst in den Hintergrund treten.
Süße, saure und salzige Geschmäcker genießen.
Süße Herbstlieblinge wie Maronen, Kürbis und gedünstete Äpfel.
Regelmäßig essen: Ein fester Rhythmus unterstützt, längeres Fasten und unregelmäßiges Essen meiden.
Wärmende Gewürze wie Zimt, Kardamom und Vanille beruhigen Vāta zusätzlich.
Ganz persönlich tinke ich im Herbst gern einen Verdauungstee aus Fenchel, Kreuzkümmel und Koriandersamen. Oder freue mich auf ein warmes, süßes Getränk am Nachmittag.
Bewegung ...
Der Körper braucht jetzt Wärme und Gleichmäßigkeit, das beruhigt und gibt Kraft.
Sanfte, fließende Bewegung tut besonders gut: ein Spaziergang in der Herbstsonne, ruhiges Yoga, Dehnen und tiefes Atmen. Wichtig ist, dass wir uns bewegen, denn das erdet und schenkt Ruhe.
An windigen Tagen schützt du Hals und Nacken, trägst geschlossene Schuhe und nimmst lieber eine Mütze oder etwas für die Ohren mit, bevor du aus dem Haus gehst. Ein ruhiges Tempo statt Hektik bringt Vāta zusätzlich in Balance.
Erholung & Schlaf ...
Im Herbst achte ich noch bewusster auf mich, denn unser Körper braucht jetzt mehr Regeneration.
Das gehört bei mir jetzt dazu:
Die Luft im Haus ist trocken deshalb gebe ich morgens etwas Sesamöl in jedes Nasenloch (Nasya), eine jahrtausendealte Morgenroutine für die Nase.
Jeden Morgen nehme ich einen Teelöffel Chyavanprash. Ich esse warm, saftig und nährend: mehr Suppen, Eintöpfe, Currys und Ofengemüse mit ausreichend Öl und Ghee, dafür weniger Rohkost und Brot. Dazu nutze ich gern meine Agni-Mischung und trinke Verdauungstee zwischen den Mahlzeiten..
Zweimal pro Woche gönne ich mir abends eine Körper- oder Fußmassage mit warmem Vāta-Öl. Besonders in meinem zyklischen Herbst mache ich Yonisteaming auch um besser loszulassen und an besonders kalten Tagen gehe ich gern in die Rotlichsauna oder nutze die Magnetfeldmatte.
Meine persönliche Erfahrung ...
Früher habe ich mich im Sommer oft treiben lassen. Ich wollte die Energie voll ausschöpfen, alles mitnehmen, keine Gelegenheit auslassen. Viel Eis, spätes gerilltes Essen, lange Sommernächte, ausgiebige Sonnenbäder.
Heute weiß ich:
Wenn ich mir erlaube, bewusste Pausen einzulegen und mich der Hitze nicht so auszusetzen geht es mir viel besser. Ich mag es sehr in natürlichen Gewässern zu baden, mich regelmäßig innerlich und äußerlich abzukühlen. Dabei sind meine Favoriten Kokoswasser, Melonen, Hibiskus und Minztee, Kokosölmassagen und Fußbäder mit einigen Tropfen Äth. Sandelholz.
Mein Fazit ...
Der Herbst ist eine Einladung zum Ankommen, reflektieren und loslassen..
Im Ayurveda gibt es keine allgemeinen Regeln. Es geht immer um Individualität und Rhythmus.
Jede Frau trägt ihre eigene Konstitution und ihre eigenen Bedürfnisse in sich. Passende Impulse helfen dabei, sich wohl und gesund zu fühlen.
Seit ich meinen Herbst ayurvedisch begleite, mit Wärme, Rhythmus, nährenden Mahlzeiten und bewusster Ruhe, fühlt sich diese Zeit stimmig an. Umso älter ich werde umso wichtiger wird es Vata zu balancieren und im Blick zu halten.
Individuelle Begleitung schafft Klarheit.
